Freitag, 5. Mai 2017

Tübingen Ansage im Bus in der Linie 19

Einer dieser normalen Arbeitstage ist heute. Ich radle mit dem Rad von zu Hause zum Bahnhof nach Reutlingen. Ich liebe es, meinen Körper zu bewegen. Nein, mein Liebster braucht mich nicht zum Bahnhof zu fahren, die paar Nieseltropfen erfreuen meinen Körper. Ich stelle mein Rad wie gewohnt am Fahrradständer ab, warte auf den Zug. In Tübingen angekommen führt mich mein Weg zur Bushaltestellt. Linie 19 erwische ich heute. Einen Sitzplatz gibt es auch. Ich hole mein Smartphone aus der Tasche und checke meine Emails. Ein Student setzt sich neben mich, ebenfalls sein Smartphone in der Hand, es sieht aus als ob er zockt. Der Bus ist voll, die Geräuschkulisse entsprechend.

StreetArt gesehen in Reutlingen
Wer Spricht da?

Plötzlich ist Stille, der Fahrer spricht. "Ihr fahrt mit der Linie 19, Euer Fahrer ist Herr Tischler (habe ich den Namen wirklich richtig verstanden?) und ich finde die Welt könnte schöner sein, wenn wir alle etwas netter zueinander wären. Ich wünsche Dir, dass Dir heute alles gelingt, das Du Dir vorgenommen hast, dass Du nur nette Kontakte hast und dass Du sicher bist." Er hat noch mehr gesagt, aber ich konnte mir gar nicht alles merken. Was ist das denn? Meine Kollegin hat zwar schon öfters davon gesprochen, dass Sie mit einem Bus gefahren sei und der Busfahrer hätte nette Sachen gesagt. Und es live zu erleben - was für ein Genuss.

Applaus - welche Veränderung!

Das eine war mein Überraschungsmoment. Aber was mich wirklich sehr erstaunt hat - die Stimmung im Bus ist von dieser Minute an eine andere. Die anonyme Atmosphäre ist durchbrochen. Die Mitfahrer schauen sich an, ein Lächeln auf den Lippen. Die Smartphone-Nutzer erheben ihren Kopf, in Kontakt mit ihren Mitmenschen. Es scheint, als seien alle etwas näher zusammengerückt - auch wenn kaum einer seine Position verändert hat. Zum Glück kann keiner seine Ohren zuklappen, die Botschaft hat alle erreicht. Und alle sind sich einig: das war spitze! Herr Tischler bekommt Applaus und ich steige aus. Dankbar, dass ich diese Linie erwischt habe, dankbar, dass ich in den Genuß der Ansage gekommen bin. Er hat heute meine Welt ein wenig netter gemacht.



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Foto: Shivani Vogt (cc)

Freitag, 6. Januar 2017

Hagebutten in Honig fermentiert

Hagebutten, die Frucht der Rosen
Wer mich kennt weiss, dass ich immer irgendein Ferment in der Küche stehen habe. Gerade genieße ich die violette Farbe meines Beet-Fermentes - ich habe rote Beete eingelegt. Gerne esse ich zu meinen Mahlzeiten ein paar dieser dunkelvioletten Würfelchen und gebe auch einige Löffel voll der leckeren Brühe über mein Essen.

Neue Fermente angesetzt

Damit mein Vorrat sich nicht erschöpft, bin ich quasi immer am Fermentieren. Meine aktuellen Fermente habe ich mit Honig hergestellt. Es lässt sich damit alles Mögliche fermentieren: Knoblauch, Ingwer und Kurkuma hatte ich bereits ausprobiert. Wichtig bei den Honigfermenten ist, das Glas wirklich täglich zu bewegen. Es reicht schon, den Inhalt durch sanftes Kreisen einmal ganz durchzubewegen. Du kannst das Glas auch einfach schütteln.

Hägenmark ist eine Delikatesse
Neues Ferment getestet

Als ich vor Weihnachten auf einem meiner weiten Spaziergänge war, kam mir eine Idee für ein neues Ferment. Überall an den Hecken hingen Hagebutten. Meine Schwester erntet sie und macht leckeres Hägenmark daraus. Zum Glück hat sie einen Aufsatz für ihre Küchenmaschine, mit dem sie die Kerne und die Härchen vom Fruchtfleisch trennen kann. Dann ist die Herstellung der leckeren Marmelade nur noch ein Kinderspiel. Jedoch wird der wertvolle Gehalt an Vitamin C durch das Erhitzen leider weitgehend zerstört. Klar, ist das Hägenmark immer noch sehr, sehr gesund und ich liebe es. Aber was würde passieren, wenn ich die roten Früchtchen einfach in Honig einlege?

Gesagt, getan!

Es ist eine Riesenarbeit, das Fruchtfleisch von den Kernen und den Härchen zu befreien. Du brauchst ein geeignetes Messer und sehr, sehr viel Geduld dafür. Aber der Reihe nach. Zunächst erntete ich eine Handvoll Hagebutten, entkernte sie, gab sie in ein Glas und schüttete Honig darüber. Feinster, roher Honig direkt vom Imker. Interessant ist, dass der Honig die Farbe der Hagebutten annimmt und rot wird. Der Honig vom Knoblauchferment bleibt eher klar und wird flüssig.

Literatur über Honigfermente gesucht
Honigfermente: oben Knoblauch
und unten Hagebutten in Honig

Leider habe ich bisher noch kein Buch gefunden, in dem ich etwas über Honigfermente nachlesen konnte. Ich habe erfahren, dass es bei den Imkern nicht gerne gesehen ist, wenn deren Honig fermentiert - es wird als Qualitätsminderung gesehen. Beim Honig handelt es sich offenbar selbst schon um ein fermentiertes Produkt. Die Bienen machen den Nektar durch Enzyme haltbar und verwandeln ihn so in Honig. Aber leider konnte ich bisher keine Bücher oder sonstige Literatur zu den Honigfermenten auftreiben. Wenn Du mir einen Tipp hast, bin ich dankbar darüber.

Der Honig sollte vom Imker Deines Vertrauens stammen

Ich lebe als Vegetarierin. Oft ernähre ich mich tagelang vegan - aber ich verzehre immer noch Lebensmittel, die von Tieren stammen. Dazu zählt auch Honig. Ich kenne es so, dass dieser von einem Imker gewonnen wird, der sein Volk hegt und pflegt. Dass es auch anders geht habe ich in diesem Beitrag heute gesehen. Das Video hat mich dann auch dazu inspiriert, heute mal wieder zu bloggen. In dem folgenden Link ein Video darüber, wie Bienen ausgebeutet werden. Leider.

¿Por qué no comemos miel los veganos?
Estas imágenes abrirán los ojos de todos los que dicen que no hay daño en comer miel.
Posted by Santuario Gaia on Montag, 14. März 2016
Deswegen: kaufe Deinen Honig dort wo Du weisst, dass die Völker und der Honig wertgeschätzt werden. Fermentieren funktioniert sowieso nur mit rohem Honig, er darf also vorher nicht erhitzt worden sein.

Das Ergebnis schmeckt lecker

Seit einigen Wochen bereits gebe ich jeweils einen Löffel des Fermentes über mein Frühstück. Es passt prima zum Hirsebrei und den gedünsteten Früchten. Zusätzlich werte ich damit mein Frühstück mit sehr viel Vitamin C auf. Außerdem kann ich wahrscheinlich gar nicht genau herausfinden, wieviele Enzyme und sonstige sekundäre Pflanzenstoffe dadurch meinen Speiseplan bereichern. Welche Erfahrung hast Du mit Honigfermenten?

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Bilder: Shivani Vogt, geb. Allgaier (cc)